• #issso | Mein Fazit in 10 Fails •

• #issso | Mein Fazit in 10 Fails •
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“Iss wie der, der du sein willst.” #issso – oder auch: Fette sind bemitleidenswert, dumm, fressen nur grauen Schlonz, wollen nichts daran ändern und sind auch noch selbst schuld dran.

Oder auch: wenn du dünn bist, kannst du fliegen!

Edeka’s Werbeagentur hat mal wieder einen neuen Werbespot aus dem Ärmel geschüttelt, den die Internetgemeinde für grandios hält. Hauptdarsteller ist der junge “Eatkarus” (Fail Nr. 1: ich finde das Wortspiel bereits sowas von daneben! Auch wenn es wohl das Thema trifft, passt es eben zum ganzen Fatshamingkonzept der Werbung), der selbst genauso überzeichnet fett und rund wie alle Anderen in der Geschichte ist – auch der Hund. Sie alle essen ständig und überall, auch anstatt zu arbeiten, den – wortwörtlich – gleichen grauen Einheitsbrei (Fail Nr. 2: wie schön es ist, mal wieder ein pauschalisiertes Bild der übergewichtigen Menschen vorgesetzt zu bekommen! Und dazu noch Schauspieler in wahnsinnig mies gemachten, lächerlichen Fatsuits. Immer wieder nur zu übertreiben, wenn es um Dicke geht, nur um damit vermeintlich keinem auf den Schlips zu treten, macht das Ganze halt auch nicht besser – sondern fördert nur, dass man sich über diese lustig macht.). Bis “Eatkarus” eines Tages am Tisch während seiner Grauschlonzsession trübselig aus dem Fenster blickt und einen – interessanterweise nicht fetten – Vogel erblickt (Fail Nr. 3: warum ist der Hund fett, der Vogel aber nicht? Achso, ja, wenn ich dünn bin, kann ich fliegen. Aber keine Sorge, warum der Vogel dünn ist, wird noch aufgeklärt…) und prompt inspiriert ist: er will auch fliegen!
In guter alter Ikarus-Manier (Fail Nr. 4: Edeka und Werbeagentur, ihr habt euch vorher schon über → die Geschichte informiert, oder? Stichwort “No Happy End”…) startet der Junge seine ersten Flugversuche: mit Luftballons, aber die Schnüre reißen – weil er zu fett ist. Mit einem Drachen, aber er wird nur über den Boden geschleift und hat dann ein blaues Auge – weil er zu fett ist. Mit einer fancy Flügelkonstruktion à la Flugzeugflügeln auf den Rücken geschnallt, aber er stolpert auf dem Weg zum Gipfel des Berges und weint (zum Glück versucht er das dann nicht mal mehr doch noch, denn das wäre es wohl mit “Eatkarus” gewesen!) – weil er zu fett ist.
Doch da, welch ein Zufall, ist glücklicherweise der Vogel wieder! Er nascht vor “Eatkarus” ein paar Beeren vom Zweig und siehe da, der schlaue Junge kombiniert: wenn ich jetzt auch nur noch Beeren esse, kann ich fliegen (Fail Nr. 5: ja, klar, aber dass der Junge halt kein Vogel ist, darauf kommt er nicht. Zugegeben: der “echte” Ikarus war da auch so naiv… An der Stelle frage ich mich übrigens, ob der Hund auch fliegen könnte, wenn er denn wollte…hm!)!
Nach kurzer Zeit (“Probieren Sie jetzt die neue Beeren-Diät! Schlank in zwei Flügelbasteltagen!”) ist “Eatkarus” schlank und steht mit seinem neuen Gadget aus Zeitungspapier bereit für den Jungfernflug.
Alle, die ihn vorher schon für bescheuert hielten (Bodyshaming mal andersrum oder eben auch – leider irgendwie doch immer wieder Realität – das Klischee, denn wenn die Dünnen mal nicht die Dicken bashen, ist es eben andersrum…), starren jetzt böse den Jungen mit den Zeitungsärmeln an und ihnen läuft fast der Schlonz aus dem Mund. Er wird doch nicht? DOCH! Er rennt los – und fliegt.
Zum Schluss gibt’s grinsend noch eine Brombeere und das Motto des neuen Spots: “Iss wie der, der du sein willst.” – oder auch: flieg, du kleine Johannisbeere!

Fail Nr. 6: alle feiern diese Werbung auf Facebook, als gäbe es kein Morgen mehr (gut, bis auf leider nur sehr wenige Ausnahmen).

Jetzt ist es natürlich so, dass ich auf Fatshaming, bzw. Bodyshaming jeder Art (ich kämpfe ja hier – nicht nur – auf dem Blog schließlich für Vielfalt und Akzeptanz!) besonders empfindlich reagiere. Das will ich gar nicht leugnen. Nicht nur die Wut, die bei jedem weiteren Mal, wenn ich die Werbung sehe, immer mehr wächst, aber gerade auch die Kommentare auf Facebook zeigen mir, dass ich mit meiner Reaktion gar nicht so falsch liege, denn das, was Edeka hier tut, ist kein bloßer Aufruf, sich gesünder zu ernähren. Es ist ganz mieses Fatshaming versteckt unter dem Deckmantel, den Leuten mit einer putzigen und bizarr-überzeichneten, pseudo-motivierenden Geschichte ans Herz zu legen, doch lieber statt grauem Einheitsschlonz über eine ausgewogene Beerendiät (ihr wisst schon, wie ich das meine!) nachzudenken. Ihr kennt das: die Menschheit heuchelt gern Interesse an der Gesundheit anderer, aber nur, wenn diese dick sind (Stichwort → “Glorifying Obesity”), denn die will ja schließlich keiner sehen!

Da gibt es dann Kommentare wie: “Die Fetten sind selbst schuld, wenn sie fett sind! Kann man ja ganz einfach ändern!” Oder: “So sieht die Wahrheit aus! Dick sein ist eine Quälerei – dünn sein bedeutet frei zu sein!” Oder: “Alle Dicken sollen mal nicht so zimperlich sein, hier geht’s nur um gesundes Essen und wie sehr das beflügeln kann!”

Aber nein, es geht nicht nur um gesundes Essen. Zunächst hätten wir da Fail Nr. 7: wenn ich zeigen möchte, dass mich eine gesunde Ernährung beflügelt, warum muss ich dafür als Ausgangszustand übertrieben dicke Menschen beim Essen von Müll zeigen (rhetorische Frage, wir wissen natürlich, dass Stereotypen immer gut für solche “Witze” sind…)? Auch dünne Menschen können sich einseitig ernähren, auch dünne Menschen können aufgrund dessen müde, schlecht gelaunt und nicht-beflügelt sein. Warum wird hier – wie immer – das Klischee der Dicken, die den ganzen Tag nur Mist essen und sonst nichts machen, ausgepackt (ebenfalls rhetorisch, denn so sieht eben das Bild aus, das uns Tag für Tag, mal mehr und mal weniger unterschwellig vermittelt wird…)?

Fail Nr. 8: der unglückliche dicke Junge. Wie viele Kinder und Jugendliche mit Übergewicht werden diese – praktischerweise auch so schön kindgerecht inszenierte – Kurzgeschichte ansehen und sich mit “Eatkarus” identifizieren? Der nur im dünnen Zustand glücklich sein kann und sein Ziel erreicht? Der eine neue Form von Essstörung annimmt (vom täglichen Einheitsbrei zur Beerendiät), um dieses zu erreichen? Gerade diese Zielgruppe sollte man anders motivieren und nicht mit so einem Blödsinn noch tiefer in den seelischen Grauschlonz treiben!

Fail Nr. 9: an dieser Stelle muss es trotzdem noch sein – BITTE zeigt nicht im Fernsehen, dass der Junge es dem Vogel gleichtut und Beeren blind irgendwo im Wald nachnascht. In dem Fall haben wir dann nämlich das erwartete “No Happy End”, das den guten Ikarus ereilt hat. So würde es sich dann auch erklären lassen, dass “Eatkarus” fliegt – die giftigen Beeren haben ihn nämlich umgebracht.

Fail Nr. 10: alles. Die ganze Werbung. Fatshaming und auch Bodyshaming generell ist nie cool. Auch nicht in einer pseudo-knuffigen Geschichte verpackt. Auch nicht, wenn der Junge sein unheimlich dämliches Ziel erreicht, denn auch dünn sein macht uns nicht zu Vögeln. Und erst recht nicht zu besseren, glücklicheren Menschen. Das mag vielleicht bei manchen tatsächlich der Fall sein, aber Glück, Zufriedenheit und ein guter Mensch sein sollte nicht von unserer Körperform abhängig sein. #isso (ein s weniger, dann find’ ich den Hashtag auch gut!)

##issso#Blubbel#Bodyshaming#Eatkarus#Edeka#Fail#Fatshaming#Kritik
Written by Luciana
Hello everyone, my name is Luciana, I'm 27, and the creative mind of "Lu zieht an." I was born in Germany but I'm half Brazilian, that's why you can read this blog in German and English - but feel free to write and ask me anything in Portuguese. I love and live fashion, am obsessed with sunglasses and bright lipsticks and the world's biggest sushi and steak lover. Follow me for daily updates on Instagram (@luziehtan). ♥
23 comments
  • So liebe Lu, dann melde ich mich auch mal wieder zu Wort….
    Der Hauptfail für mich als Mutter ist hier tatsächlich, dass das Essen am Familientisch negativ dargestellt wird und das Essen alleine im Kinderzimmer als bessere Alternative daher kommt… Hinzu kommt, dass hier wieder einmal “dick=dumm=asozial” propagiert wird und das nervt mich richtig.
    Meine Kids (10&13) kannten das Filmchen schon und fanden es langweilig und flach, außerdem verstehen sie nicht, warum Spinat (der Einheitsbrei!) dick machen soll. Und auch beide fanden die Kernaussage “beschränkt”, denn dann wäre Katzenfutter nun das Essen ihrer Wahl, damit sie geschickter auf Bäume klettern können..
    Mich hat diese Reaktion doch etwas beruhigt, denn der Film kommt wohl doch nicht soooo gut an….
    ….und eigentlich ärgert mich, dass deine berechtigte Wut meine Aufmerksamkeit darauf gelenkt hat und ich nicht weiß welche Schlüsse ich daraus ziehen soll (außer Edeka zu boykottieren…)…
    Das soll aber nicht heißen, dass du dir solche Kritiken sparen sollst, im Gegenteil… Mach bitte weiter so!
    Liebe Grüße,
    Pia,

  • So liebe Lu, dann melde ich mich auch mal wieder zu Wort….
    Der Hauptfail für mich als Mutter ist hier tatsächlich, dass das Essen am Familientisch negativ dargestellt wird und das Essen im Kinderzimmer als bessere Alternative daher kommt… Hinzu kommt, dass hier wieder einmal “dick=dumm=asozial” propagiert wird und das nervt mich richtig.
    Meine Kids (10&13) kannten das Filmchen schon und fanden es langweilig und flach, außerdem verstehen sie nicht, warum Spinat (der Einheitsbrei!) dick machen soll. Und auch beide fanden die Kernaussage “beschränkt”, denn dann wäre Katzenfutter nun das Essen ihrer Wahl, damit sie geschickter auf Bäumeklettern

    • Danke für diesen weiteren Aspekt – an den hatte ich tatsächlich noch gar nicht gedacht und sehe das genauso wie du. Das ist wirklich kein guter Ansatz und kann ja am Ende tatsächlich komplett nach hinten losgehen. Stichwort “heimlich naschen” und sowas.
      Ein kleines bisschen muss ich aber den Einheitsbrei verteidigen: für mich sieht der eindeutig nicht nach Spinat aus (da würden sie sich ja ans eigene Bein pinkeln, wenn sie den als schlechtes Essen hinstellen!) – das ist ja wirklich eine graue Pampe, die eher nach Pudding aussieht und nicht nach Spinat. Das wäre ja schließlich total unsinnig und würde dem Ganzen noch die Krone aufsetzen! :D
      Die Idee mit dem Katzenfutter ist aber gut – ich glaube, da würde ich auch mitgehen. Katze sein scheint mir eine ziemlich gute Sache zu sein! ;)

  • Liebe Luciana,
    getreu dem Motto: Fight the game, not the players! – es ist müßig sich an Facebook Kommentaren abzuarbeiten, hast du mal darüber nachgedacht und/oder gewusst, das es möglich ist eine Beschwerde beim Deutschen Werberat einzureichen? Das kann nämlich jeder, der der Meinung ist, dass eine bestimmte Werbung in irgendeiner Weise moralisch nicht in Ordnung ist, tun. Gerade wenn es um Diskriminierung geht. Der Werberat ist dann verpflichtet dem nachzugehn und den Sachverhalt zu prüfen.
    Du hast geschrieben, dass du thematisch auf solche Geschichten besonders empfindlich reagierst, als Reaktion auf Kommentare von Schreibern, die deine Aufregung nicht verstehen – sicherlich ist jeder Mensch anders in seiner Wahrnehmung. Aus meiner Sicht mit Blick zurück auf viele deiner Posts, deinem “Aufstehen” für erwachseneren Umgang (ich nenne das jetzt mal so) mit dem generellen “Leben und leben lassen ohne zu entwerten” und dem Blick über den persönlichen Tellerrand hinaus (nicht jeder hat den Mut sich öffentlich klar und direkt zu positionieren – das macht nämlich angreifbar), finde ich es sehr achtenswert, dass du dessen nicht müde wirst!
    Drum: von Herzen GO ON!

    Julia

    • Danke, liebe Julia! ♥
      Ja, tatsächlich kam mir auch das mit dem Werberat in den Sinn, aber – vielleicht sollte ich das nochmal überdenken – dachte mir, dass gerade in Anbetracht der positiven Resonanz, die die Werbung erfährt, das nicht viel bringen würde. Vielleicht hole ich das doch nochmal nach.
      Ich werde auf jeden Fall weiter dafür kämpfen, dass weder dicke, noch dünne Menschen aufgrund ihrer Körper diskriminiert werden. Wie ich mal so schön schrieb: “Bodyshaming ist keine Einbahnstraße” und das ist etwas, das leider noch sehr viele Menschen lernen müssen. Solange solche Werbungen also trotz des offensichtlichen Fatshamings weiterhin so viel Erfolg bei der Masse haben, müssen wir auf jeden Fall etwas dagegen unternehmen! :)

  • Hallo Lu,
    Nach langem melde ich mich mal wieder…
    Ich kannte die Werbung gar nicht und sah sie mir gerade über YouTube an.
    Ich wundere mich, das du dich darüber ägerst und deine zeit verschwendest darüber zu berichten! Da stehen wir doch drüber !
    Ich finde sie eher nachdenklich im Bezug darauf, was einige Eltern (damit’s schnell geht, oder keiner Zeit hat zu kochen , oder nichts ordentlich zu kochen gelernt hat) ihren Kindern für ein Mist zu essen geben!
    Denn es geht nur um das Kind, das so nicht mehr leben will, es hat einen traum ..!
    und keinen in dieser (abstrusen welt) Interessiert dies… Ich denke, so sehr ein Erwachsener auch mit Übergewicht zu recht kommt und anerkannt ist, sich wohl fühlt usw , ..für ein Kind, das tollen , toben , sich bewegen will und viel intensiver lebt, ist viel zu dick zu sein nicht so schön,gesund und anstrengend! Der junge hat nicht 10 kg zuviel, sondern 100 und ist überspitzt dargestellt!
    Gesunde Ernährung Kindern beizubringen, ist nicht die schlechteste Werbung!
    Aber man hätte dies auch anders rüber bringen können. …
    Und seien wir mal ehrlich, wenn ich in einem Jahr 20 kg weniger haben könnte, hätte ich das gern !und viele andere mit Sicherheit auch.
    Trotzdem möchte ich akzeptiert werden, so wie ich jetzt bin! Wenn man sich an solch einer Werbung noch stört, dann is man in meinen Augen, noch nicht ganz bei sich angekommen . In diesem Sinne, Werbung kommt und geht!
    Lg Rubin

    • Liebe Rubin, ich verstehe dich natürlich. Jeder sieht die Werbung anders – für mich wird da einfach unter einem heuchlerischen Deckmantel, wie so oft, auf die faulen und verfressenen Dicken eingedroschen. Prinzipiell stehe ich da drüber, andererseits möchte ich mit meinem Blog auch meine Stimme nutzen und mich darüber auslassen, wenn ich etwas nicht gut finde. Und das hier finde ich sogar schlechter als “nicht gut”. Denn gesunde Ernährung kann man auch anders thematisieren, ohne die Dicken pauschal als sich falsch ernährende Vorzeigevollidioten hinzustellen. Auch überspitzt dargestellt kann ich dem Ganzen so nichts Gutes abgewinnen. Themaidee gut, Umsetzung eben vollkommen daneben. Egal, ob ich bei mir angekommen bin oder nicht. ;)
      Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Werbung geht. Denn sowas kann keiner brauchen.

  • Liebe Lu,
    Danke für diesen Artikel. Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Edeka-Spot ist wirklich übles Bodyshaming. Ich bin also nicht gesund, faul, gefräßig, esse nur Müll, bin vielleicht noch dumm… Stimmt alles nicht. Ich bin dick, das ist alles. Und ändern kann ich daran auch erst etwas, wenn ich meine Medikamente nicht mehr zu nehmen brauche, die Übergewicht als anerkannte Nebenwirkung haben. Aber will ich das wirklich? Klar wären ein paar Kilo weniger nicht schlecht, aber ich verwende meine Lebensenergie nicht darauf, dieses Ziel unbedingt zu erreichen. Denn es geht mir verdammt gut, auch mit Fett auf den Rippen. Und mein Liebster findet mich auch so sexy und begehrenswert. Ich habe ein schönes Leben, und das hängt nicht an der Körperform. Eine amerikanische Aktivistin, deren Name ich jetzt leider vergessen habe, meinte einmal “Mein Fett ist politisch”, und ich finde, da ist etwas dran. Dieser Selbstoptimierungswahn in unserer Gesellschaft geht mir nämlich ganz schön auf die Ketten…
    Liebe Lu, Du hast so recht. Und mit den Fails auch eine schöne Art gefunden, das auszudrücken. Mach weiter Dein Ding, ich werde Dich auch weiter lesen. Herzliche Grüße von Ella

  • Ich habe mir eben erst den Film angeschaut und muss ehrlich gestehen, dass ich es nicht so kritisch sehe. Ich bin eine Jugendliche und auch nicht unbedingt dünn, trotzdem fühle ich mich absolut nicht angegriffen. Und auf die Idee, die Beeren im Wald zu ernten, würde ich jetzt auch nicht kommen. ;)
    Gerade durch die übertriebenen Fatsuits und den unansehnlichen Brei empfinde ich es nicht als Anspielung auf dicke Menschen im Allgemeinen. Wenn wir alles immer so überkritisch sehen, dürften sämtliche Bücher und Filme zu Diskussionen führen. Bei Disney müssen immer erst die Eltern sterben, damit die Kinder Abenteuer erleben, oder nur die Armen sind nett und alle Reichen böse. Selbst bei Roald Dahl ist es das dicke Kind, das für Gier und schlechte Ernährung steht. “Du bist was du isst”, ist doch auch ein alter Spruch und es ist etwas dran. Ich fühle mich besser, wenn ich mich gute Dinge esse.
    Viel wichtiger ist es doch, dass man Kindern gesunde Ernährung von Anfang an beibringt. Oft wird im Elternhaus kein Wert darauf gelegt und auch in Schule und Kindergarten spielt gute Ernährung nur selten eine Rolle. Vielleicht wäre es schöner gewesen, wenn Edeka eine Ladung Beeren an die Schulen verteilt hätte, aber da hätte ja die Agentur nicht von. ;)
    Naja, lange Rede kurzer Sinn: Ich finde es schon ein bisschen sehr eingeschränkt, wenn man aus diesem Clip lediglich die Botschaft herausliest, dass alle Dicken Einheitsbrei essen und selbst Schuld sind.
    Ich kenne natürlich jetzt die Diskussionen bei Facebook dazu nicht, von Facebook halte ich mich fern.

    LG Charli von https://frischgelesen.de

    • Ich sehe solche Werbungen natürlich etwas kritischer als der Durchschnitt, daher verstehe ich natürlich auch, wenn man die Werbung nicht als so daneben empfindet. Gleichzeitig muss ich aber auch anmerken, dass es für mich keine Entschuldigung ist, etwas übertrieben zu zeigen und das dann als okay hinzustellen. Generell ist dieses Bloßstellen von Stereotypen einfach nicht in Ordnung. Stell’ dir mal vor, die hätten die Werbung mit Behinderten gemacht – da wäre der Aufschrei mit Sicherheit noch größer. Aber mit den Dicken kann man es ja machen – denn genau dieses Bild hat ja die Gesellschaft von denen. Ich finde auch vieles in Büchern und Filmen nicht okay – und gerade Disney macht da auch vieles falsch. Über die meisten Comedians kann ich nicht lachen und Witze auf Kosten anderer finde ich nur bedingt lustig. Denn sich an Klischees zu bedienen und damit bestimmte Gruppen als Trottel hinstellen, ist einfach nicht richtig! :( Die grundsätzliche Botschaft des Spots hab’ ich schon verstanden, aber man hätte diese definitiv anders umsetzen können – siehe eben auch die Kommentare dazu. Sei froh, dass du die nicht kennst!

      Mit dem zweiten Teil deines Kommentars hast du aber auf jeden Fall Recht – gesunde Ernährung sollte IMMER ein Thema sein, auch gerade bei der Erziehung. Dein Vorschlag, Beeren an Schulen zu verteilen, macht da definitiv mehr Sinn. Und ich denke, richtig aufgezogen wäre das sogar auch für die Agentur ein Gewinn gewesen. ;)

  • Wahnsinn. Ich kannte diese Werbung vorher noch gar nicht – läuft die schon im Fernsehen?!
    Hab sie mir gerade angeschaut und kann es wirklich nicht glauben, dass sich das jemand ausgedacht hat. Ausgerechnet heutzutage, wo Übergewicht ganz anders begründet ist als mit Einheitsbrei. Oft das Gegenteil – total divers, aber alles für sich eben ungesund. Und dann die Message. Ich persönlich wollte ja immer eine Katze sein, da hat man so ein schönes Leben. Morgen hole ich mir einen Karton Dosenfutter und paar Mäuse von der Zoohandlung… Und dann? Was bin ich dann?
    Diese Metapher ist so unfassbar schlecht, ich kann es nicht fassen. Aber die Marketingabteilung von Edeka scheint sowieso nicht mehr sehr durchdacht zu arbeiten. Die Filialen sind mega edel und mein liebster Ort zum Einkaufen, aber das Marketing ist billig und meist dumm. Sehr enttäuschend.

  • Liebe Lu, ich hab mich auch gewundert als ich gelesen habe wie positiv diese Werbung im Netz angekommen ist. Die Kritikpunkte hast du gut zusammengestellt, es bringt nichts ein Klischee ans andere zu Reihen und drauf zu beharren das Übergewichtige sich grundsätzlich falsch ernähren.
    Ich würde mir dennoch mehr öffentliche Aufklärung zum Thema Adipositas wünschen, und zwar rein vom medizinischen Standpunkt her gesehen. Zunächst, niemand sollte aufgrund seines Aussehens Diskriminiert werden, egal ob zu dick, zu dünn, Hautfarbe etc. Ich wähle meine Worte immer mit größtmöglichem Bedacht wenn ich mit Patienten über ihr Gewicht spreche, aber ich kenne kein anderes Thema bei dem so emotional reagiert wird. Die gesundheitlichen Risiken bei Übergewicht lassen sich nicht klein reden, das sind harte Fakten. Nochmals, das hat nichts damit zu tun dass jede Körperform als schön empfunden werden darf, das finde ich ist eine gute Botschaft und dafür schätze ich deinen Blog sehr.
    Das kann ein Werbespot natürlich nicht leisten. Und so wie er jetzt gesendet wird wäre es mir lieber sie hätten ihn nicht gemacht, er schürt viele gängige Vorurteile und Mythen. Viele meiner adipösen Patienten ernähren sich sehr gesund, nur steht am Ende des Tages leider zu oft ein Kalorienüberschuss. Da müsste man ansetzten statt zu suggerieren die Beerensaftdiät wäre eine patente Lösung beim Wunsch Abzunehmen. Eben Fakten vermitteln, statt Halbwahrheiten, damit wäre allen geholfen.

  • Danke liebe Lu.
    Ich dachte schon, ich wäre alleine. Alle Gedanken, die du hier formuliert hast, sind mir auch durch den Kopf gegangen, als ich den Clip gestern gesehen habe.
    Der Werbeclip hinkt auf jedem einzelnen Bein. Schade, dass auch Edeka nicht ohne Bodyshaming auskommt. Dabei fand ich die bisherigen Werbekampagnen immer gut. Aber bei diesem Clip hatte ich einfach nur die ganze Zeit ein ganz schlechtes Gefühl. Wenn schon ein Clip, der Gesunde Ernährung propagiert, dann bitte a) ohne Bodyshaming (egal in welche Richtung) und b) bitte mit ausgewogenen Ernährungsbeispielen und keiner Beerendiät. und c) sollte dann vielleicht eine Geschichte mit Happy End als Vorlage genutzt werden und nicht die tragische und naive Geschichte von Ikarus (und ich bin jemand, der Wortwitze sehr schätzt…). Nun ja, sei es, wie es ist: Danke für deine Worte. Du sprichst mir aus der Seele.

    Bleib, wie du bist. Ich liebe deinen Blog :)
    LG Janica

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