• My Hair through Blogging •

• My Hair through Blogging •

…und ein bisschen was von davor, einfach, weil es lustig ist, mich zu sehen, stimmt’s? ;)

Da ich heute bei meinem Haargott bin (mal sehen, was passiert – ich hab’ überlegt, den “Holographic Hair”-Trend auszuprobieren, aber ich bin mir noch nicht zu 100% sicher), dachte ich, es könnte interessant sein, einen Rückblick auf meine Haarstyles während der Blogjahre zu machen. Ich denke, ich hatte schon ein paar verschiedene Schnitte und Farben und es könnte was Schönes zum Anschauen sein. Obwohl ich wirklich gerne experimentiere, denke ich, dass die kurzen Haare am besten zu mir passen, und mit denen fühle ich mich auch am meisten wie ich selbst. Natürlich ist das gerade etwas komisch, da ich momentan etwas längere Haare habe und mich auch darauf freue, sie den Sommer über wachsen zu lassen, einfach, weil ich gern was anderes auf meinem Kopf haben will, aber die kurzen Haare sind definitiv “ich” und ich werde darauf auf jeden Fall wieder zurückkommen. Immer.

Continue reading →

• #issso | Mein Fazit in 10 Fails •

• #issso | Mein Fazit in 10 Fails •

„Iss wie der, der du sein willst.“ #issso – oder auch: Fette sind bemitleidenswert, dumm, fressen nur grauen Schlonz, wollen nichts daran ändern und sind auch noch selbst schuld dran.

Oder auch: wenn du dünn bist, kannst du fliegen!

Edeka’s Werbeagentur hat mal wieder einen neuen Werbespot aus dem Ärmel geschüttelt, den die Internetgemeinde für grandios hält. Hauptdarsteller ist der junge „Eatkarus“ (Fail Nr. 1: ich finde das Wortspiel bereits sowas von daneben! Auch wenn es wohl das Thema trifft, passt es eben zum ganzen Fatshamingkonzept der Werbung), der selbst genauso überzeichnet fett und rund wie alle Anderen in der Geschichte ist – auch der Hund. Sie alle essen ständig und überall, auch anstatt zu arbeiten, den – wortwörtlich – gleichen grauen Einheitsbrei (Fail Nr. 2: wie schön es ist, mal wieder ein pauschalisiertes Bild der übergewichtigen Menschen vorgesetzt zu bekommen! Und dazu noch Schauspieler in wahnsinnig mies gemachten, lächerlichen Fatsuits. Immer wieder nur zu übertreiben, wenn es um Dicke geht, nur um damit vermeintlich keinem auf den Schlips zu treten, macht das Ganze halt auch nicht besser – sondern fördert nur, dass man sich über diese lustig macht.). Bis „Eatkarus“ eines Tages am Tisch während seiner Grauschlonzsession trübselig aus dem Fenster blickt und einen – interessanterweise nicht fetten – Vogel erblickt (Fail Nr. 3: warum ist der Hund fett, der Vogel aber nicht? Achso, ja, wenn ich dünn bin, kann ich fliegen. Aber keine Sorge, warum der Vogel dünn ist, wird noch aufgeklärt…) und prompt inspiriert ist: er will auch fliegen!
In guter alter Ikarus-Manier (Fail Nr. 4: Edeka und Werbeagentur, ihr habt euch vorher schon über → die Geschichte informiert, oder? Stichwort „No Happy End“…) startet der Junge seine ersten Flugversuche: mit Luftballons, aber die Schnüre reißen – weil er zu fett ist. Mit einem Drachen, aber er wird nur über den Boden geschleift und hat dann ein blaues Auge – weil er zu fett ist. Mit einer fancy Flügelkonstruktion à la Flugzeugflügeln auf den Rücken geschnallt, aber er stolpert auf dem Weg zum Gipfel des Berges und weint (zum Glück versucht er das dann nicht mal mehr doch noch, denn das wäre es wohl mit „Eatkarus“ gewesen!) – weil er zu fett ist.
Doch da, welch ein Zufall, ist glücklicherweise der Vogel wieder! Er nascht vor “Eatkarus” ein paar Beeren vom Zweig und siehe da, der schlaue Junge kombiniert: wenn ich jetzt auch nur noch Beeren esse, kann ich fliegen (Fail Nr. 5: ja, klar, aber dass der Junge halt kein Vogel ist, darauf kommt er nicht. Zugegeben: der „echte“ Ikarus war da auch so naiv… An der Stelle frage ich mich übrigens, ob der Hund auch fliegen könnte, wenn er denn wollte…hm!)!
Nach kurzer Zeit („Probieren Sie jetzt die neue Beeren-Diät! Schlank in zwei Flügelbasteltagen!“) ist „Eatkarus“ schlank und steht mit seinem neuen Gadget aus Zeitungspapier bereit für den Jungfernflug.
Alle, die ihn vorher schon für bescheuert hielten (Bodyshaming mal andersrum oder eben auch – leider irgendwie doch immer wieder Realität – das Klischee, denn wenn die Dünnen mal nicht die Dicken bashen, ist es eben andersrum…), starren jetzt böse den Jungen mit den Zeitungsärmeln an und ihnen läuft fast der Schlonz aus dem Mund. Er wird doch nicht? DOCH! Er rennt los – und fliegt.
Zum Schluss gibt’s grinsend noch eine Brombeere und das Motto des neuen Spots: „Iss wie der, der du sein willst.“ – oder auch: flieg, du kleine Johannisbeere!

Fail Nr. 6: alle feiern diese Werbung auf Facebook, als gäbe es kein Morgen mehr (gut, bis auf leider nur sehr wenige Ausnahmen).

Jetzt ist es natürlich so, dass ich auf Fatshaming, bzw. Bodyshaming jeder Art (ich kämpfe ja hier – nicht nur – auf dem Blog schließlich für Vielfalt und Akzeptanz!) besonders empfindlich reagiere. Das will ich gar nicht leugnen. Nicht nur die Wut, die bei jedem weiteren Mal, wenn ich die Werbung sehe, immer mehr wächst, aber gerade auch die Kommentare auf Facebook zeigen mir, dass ich mit meiner Reaktion gar nicht so falsch liege, denn das, was Edeka hier tut, ist kein bloßer Aufruf, sich gesünder zu ernähren. Es ist ganz mieses Fatshaming versteckt unter dem Deckmantel, den Leuten mit einer putzigen und bizarr-überzeichneten, pseudo-motivierenden Geschichte ans Herz zu legen, doch lieber statt grauem Einheitsschlonz über eine ausgewogene Beerendiät (ihr wisst schon, wie ich das meine!) nachzudenken. Ihr kennt das: die Menschheit heuchelt gern Interesse an der Gesundheit anderer, aber nur, wenn diese dick sind (Stichwort → „Glorifying Obesity“), denn die will ja schließlich keiner sehen!

Da gibt es dann Kommentare wie: “Die Fetten sind selbst schuld, wenn sie fett sind! Kann man ja ganz einfach ändern!” Oder: “So sieht die Wahrheit aus! Dick sein ist eine Quälerei – dünn sein bedeutet frei zu sein!” Oder: “Alle Dicken sollen mal nicht so zimperlich sein, hier geht’s nur um gesundes Essen und wie sehr das beflügeln kann!”

Aber nein, es geht nicht nur um gesundes Essen. Zunächst hätten wir da Fail Nr. 7: wenn ich zeigen möchte, dass mich eine gesunde Ernährung beflügelt, warum muss ich dafür als Ausgangszustand übertrieben dicke Menschen beim Essen von Müll zeigen (rhetorische Frage, wir wissen natürlich, dass Stereotypen immer gut für solche “Witze” sind…)? Auch dünne Menschen können sich einseitig ernähren, auch dünne Menschen können aufgrund dessen müde, schlecht gelaunt und nicht-beflügelt sein. Warum wird hier – wie immer – das Klischee der Dicken, die den ganzen Tag nur Mist essen und sonst nichts machen, ausgepackt (ebenfalls rhetorisch, denn so sieht eben das Bild aus, das uns Tag für Tag, mal mehr und mal weniger unterschwellig vermittelt wird…)?

Fail Nr. 8: der unglückliche dicke Junge. Wie viele Kinder und Jugendliche mit Übergewicht werden diese – praktischerweise auch so schön kindgerecht inszenierte – Kurzgeschichte ansehen und sich mit „Eatkarus“ identifizieren? Der nur im dünnen Zustand glücklich sein kann und sein Ziel erreicht? Der eine neue Form von Essstörung annimmt (vom täglichen Einheitsbrei zur Beerendiät), um dieses zu erreichen? Gerade diese Zielgruppe sollte man anders motivieren und nicht mit so einem Blödsinn noch tiefer in den seelischen Grauschlonz treiben!

Fail Nr. 9: an dieser Stelle muss es trotzdem noch sein – BITTE zeigt nicht im Fernsehen, dass der Junge es dem Vogel gleichtut und Beeren blind irgendwo im Wald nachnascht. In dem Fall haben wir dann nämlich das erwartete „No Happy End“, das den guten Ikarus ereilt hat. So würde es sich dann auch erklären lassen, dass „Eatkarus“ fliegt – die giftigen Beeren haben ihn nämlich umgebracht.

Fail Nr. 10: alles. Die ganze Werbung. Fatshaming und auch Bodyshaming generell ist nie cool. Auch nicht in einer pseudo-knuffigen Geschichte verpackt. Auch nicht, wenn der Junge sein unheimlich dämliches Ziel erreicht, denn auch dünn sein macht uns nicht zu Vögeln. Und erst recht nicht zu besseren, glücklicheren Menschen. Das mag vielleicht bei manchen tatsächlich der Fall sein, aber Glück, Zufriedenheit und ein guter Mensch sein sollte nicht von unserer Körperform abhängig sein. #isso (ein s weniger, dann find’ ich den Hashtag auch gut!)

• Ein offener Brief… •

• Ein offener Brief… •

Liebe Frau von Kürthy, liebe BRIGITTE,

ich will gar nicht um den heißen Brei herumreden – als mich eine Leserin auf Ihre Kolumne „Problemzonen“ in Heft Nummer 18 vom 17.08.2016 aufmerksam gemacht hat, war ich nach dem Lesen bereits derart wütend, dass ich meine eigentliche Reaktion ungefiltert gar nicht auf die Menschheit hätte loslassen können. Stattdessen möchte ich es so formulieren: einen derart gehässigen Mist hab‘ ich seit 2010 nicht mehr gelesen, als die freundlichen Damen im Brigitte Young Miss Forum noch öffentlich und uneingeschränkt ihren Spaß im Lästerthread hatten. Ja, ich vergleiche lhre Kolumne mit den wunderbaren Ergüssen junger Erwachsener, die damals (und auch heute noch) nichts anderes drauf hatten, als sich auf verachtende Art und Weise über andere lustig zu machen und sie zu beleidigen. Scheinbar zieht dieses Konzept bei Ihrem Heft – und da frage ich mich im gleichen Zug:
Macht es wirklich so viel Spaß, genau die Zielgruppe der BRIGITTE mit einem derart unangemessenen Artikel zur Schnecke zu machen? Wäre ich 50+ und Abonnentin, hätte ich wohl allerspätestens nach diesem Blödsinn gekündigt.

Nächste Frage: Womit, liebe Frau von Kürthy, nehmen Sie sich das Recht, den Kleidungsstil anderer Frauen als „modische Entgleisungen“ zu bezeichnen, während Sie selbst zugeben, eine „Frau ohne ernst zu nehmenden Eigengeschmack“ zu sein? Wenn es Ihnen an diesem mangelt, sollten Sie eventuell erst an Ihrer eigenen Baustelle arbeiten, bevor Sie anderen Frauen das Recht absprechen, sich im Sommer so luftig und freizügig zu kleiden, wie sie es selbst für nötig halten (denn auch die 22 Grad empfindet jeder anders).
“Ich habe nichts gegen Problemzonen, ich bin selber eine, aber ich verstehe den Trotz nicht, mit dem Leute sich weigern ihre Schwachstellen zu kaschieren, ihre Vorzüge zu betonen oder einfach mal ein T-Shirt in der richtigen Größe zu kaufen.” – Liebe Frau von Kürthy, mal von dem abgedroschenen “ich habe nichts gegen, aber” abgesehen, werden Sie hier dermaßen frech und unverschämt, dass mir dazu auch ein abgedroschenes “ich habe nichts gegen, aber” einfällt:

Ich habe nichts gegen Menschen wie Sie, die der Meinung sind, nur ihr eigener Geschmack ist das Zentrum der Welt, der nicht durch den Anblick der Menschen befleckt werden darf, die diesem nicht entsprechen. Ich habe nichts dagegen, dass Sie so furchtbar intolerant und eingebildet sind, dass Sie Menschen “Schwachstellen” zusprechen und bei bloßem Hinsehen erkennen, welche Kleidergröße diese Menschen (nicht) tragen, aber wenn Sie dann so einen Schwachsinn verzapfen und diesen auch noch in einem Heft veröffentlichen, dann sehen Sie ja hier das Ergebnis – ich kann und will das nicht einfach so stehen lassen.

Jetzt waren Sie so frei, sich für Ihre sommerliche Stylingbibel eine “kompetente” Dame zur Seite zu ziehen, die zusammengefasst für Frauen ab 50 folgende Tipps  auf Lager hatte: nichts Kurzes, lieber Arme und Beine bedecken (man könnte ja die „alternden Schenkel“ und Oberarme sehen – welch eine Zumutung!), sackige Schnitte (Kaschieren ist das A und O – schließlich will keiner sehen, was sich unter der modischen „luftigen weißen Bluse“ oder dem „weich fallenden Sommer-Trench“ [denn doppelt verpackt hält länger frisch bei 22 Grad aufwärts, yay!] verbirgt) und um Himmels Willen nichts, was modisch wäre oder sie jünger als 50 aussehen lässt – sind ja schließlich nicht „wohlgeformt und 17 und am Strand von Rimini“ (was da wohl die Empfehlung wäre? Am besten daheim bleiben – ältere Frauen am Strand sind so schrecklich unmodisch und niveaulos!). Intelligenz sollen sie sich anziehen, denn die ist schick. Warum nicht erst mal bei sich selbst anfangen und die Intelligenz nutzen, um zu erkennen, dass solche “Tipps” schlicht und einfach daneben sind? Ich habe immer (!) lieber eine tolerante Frau neben mir in knapper Kleidung, die sich wohlfühlt und glücklich ist und anderen keine Vorschriften macht, was sie zu tragen haben, als eine Frau, die ihre Stellung als “Beraterin” nutzt, um unerwünschtes Aussehen schnell mal wegzuverpacken.

An dieser Stelle auch ein Tipp an Frau Flick, die Stilberaterin: Mode ist nicht gleichbedeutend mit „schlank und groß“ aussehen. Wie Sie eigentlich treffend erkannt haben, ist der eigene Stil, den Sie vorschreiben (und der natürlich nur Ihrem eigenen Ästhetikempfinden und dem von Frau von Kürthy entsprechen darf), das, was modisch gesehen ausschlaggebend ist. Ihre Modetipps hingegen verstecken das Strahlen jeder Frau, verpacken es möglichst unsichtbar in einen zwar klassischen, aber furchtbar langweilig-öden Einheitslook, der mit Mode rein gar nichts mehr zu tun hat. Und ich bin davon überzeugt, dass in niemandem ein Schalter steckt, der Schlag 0 Uhr am 50. Geburtstag von modisch auf unmodisch umkippt.

Laut Ihnen sinkt das Niveau bei steigenden Temperaturen – ich erkenne hier nur eine steigende Trotzreaktion mit jedem weiteren Satz Ihrer kleinen Kampagne für mehr gut angezogene Menschen – denn Sie sind schließlich diejenige, die das Sagen hat: Schafft die „Presswürste in Pailletten“ ab und nehmt die „nachlässig verhüllten Litfaßsäulen“ auch gleich mit! Frau von Kürthy hat gesprochen – „Warum ziehen sich so viele Menschen so an, als hätten sie eine tadellose Figur?“

Ich verrate es Ihnen: weil es diesen Menschen schlicht und einfach total egal ist, was Sie sehen wollen oder nicht. Weil diesen Menschen im Sommer heiß ist und sie sich nicht in Shapewear unter ihre empfohlenen „knielangen Hemdblusenkleider“ pressen wollen, nur damit Ihnen der Anblick ihrer unerwünschten Extremitäten erspart bleibt. Auch die „ungestört vor sich hin alternden Schenkel“ (ich nehme an, das ist Ihre liebste „Problemzone“, so oft wie Sie sie erwähnen) wollen gerne weiterhin von Ihnen ungestört bleiben – und das nicht unter knielangen Röcken, sondern gerne auch mal frei in der Sonne (die wollen ja schließlich auch ein bisschen Farbe abbekommen!).

Wie Sie ja bereits selbst festgestellt haben, und dem ist nichts hinzuzufügen, sind Sie selbst eine Problemzone. Aber hierfür habe ich ebenso einen „wohlmeinenden Hinweis“: Probieren Sie es doch mal mit der zum Schluss geheuchelten Akzeptanz*. Denn eine Seite lang über andere Frauen herzuziehen ist nicht nur verdammt unverschämt (an dieser Stelle auch ein böser Blick an die Redaktion der BRIGITTE, die sowas überhaupt veröffentlicht und damit zeigt, wie sie ihre Leserschaft sieht!), sondern macht auch wirklich hässlich – und ein dermaßen hässlicher Charakter ist die einzige Problemzone, die ein Mensch haben kann. Nehmen Sie doch Ihren eigenen Hinweis mit dem Feminismus an und unterstützen Sie andere Frauen, anstatt ewig lang über sie zu meckern (und das war hier definitiv auch nicht mehr die feine englische Art, sondern sprachlich teilweise deutlich unter der Gürtellinie). Stehen Sie für die Akzeptanz und ein Miteinander ein, anstatt das Gegeneinander in dieser Art zu zelebrieren.

* “Ich mag Frauen, die sich akzeptieren, wie sie sind – und daraus das Beste machen. Das tun wir ja auch in anderen Bereichen unseres Lebens.” – und ich, liebe Frau von Kürthy, mag Frauen, die das nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere reflektieren. Und die darauf verzichten zu entscheiden, was “das Beste” für andere Frauen ist, denn das wissen sie alle selbst viel besser.

Und übrigens: Die farbenfrohe Illustration, die Sie für Ihren Beitrag gewählt haben, ist genau das Gegenteil Ihres Artikels – ich fürchte, die Ironie hat keiner bemerkt, denn diese Frau zeigt ihre Schenkel unter einem sehr kurzen und ausgestellten Rock mit Blumenprint (OH. MEIN. GOTT. – er ist nicht knielang und schwarz!!!), hat eindeutig einen tiefen Ausschnitt (so ein Mist, da sieht man bestimmt die hängenden Brüste – möge sie sich bedecken!) und – ja, ist es denn die Möglichkeit! – sieht glücklich und zufrieden aus mit ihrem Eis! Gut, sie hat die empfohlenen längeren Ärmel bei ihrer luftigen weißen Bluse an, aber ich bin davon überzeugt: hätte sie Ihren Artikel gelesen und (gehen wir mal davon aus, dass sie tatsächlich so unsicher wäre, auf Ihre Tipps zu hören) würde das nun alles so umsetzen, sähen wir auf diesem Bild nun eine verschwitzte ältere Dame, eingewickelt in Shapewear, schmale Hose und Sommer-Trench über der Bluse mit mindestens ellenbogenlangen Ärmeln, die sich selbst als Problemzone sieht und in Zukunft lieber in Köln-Nippes die Ampel meidet, da sie nun daheim sitzt.

Mit freundlichen Grüßen,
Luciana Blümlein


Für alle, die jetzt noch weiterlesen können und möchten, hänge ich an dieser Stelle auch noch die liebe Mail von Kathi an, die mich auf diese Unart aufmerksam gemacht hatte. Was sie schreibt, ist nochmal ein anderer Aspekt, der aber auf das gleiche Fazit hinführt. Danke, dass ich deine Mail hier veröffentlichen darf!
Und natürlich freue ich mich auf euer Feedback!

Liebe Lu,

hoffentlich ist es in Ordnung, wenn ich über diese E-Mail-Adresse Kontakt zu Dir aufnehme, aber ich habe gerade einen Artikel über „Problemzonen“ gelesen, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Meine Mutter hat ihn mir heute gegeben und auch sie war darüber sehr verärgert.

Er stammt von Ildikó von Kürthy und wurde in der letzten Brigitte veröffentlicht in der Rubrik „Problemzonen“.

Meine Mama ist 55 Jahre alt und trägt meist entweder Kleidergröße 46 oder 48. „Obwohl“ sie damit zu den großen Größen gehört, war sie immer sehr stilsicher und hat sich so gekleidet, wie sie es gerne getan hat. Sie mag knallige Farben, interessante Schnitte und modische Kombinationen. Schon lange hat sie die Schwierigkeit (wie vermutlich einige Frauen, die in der Hauptkollektion nicht fündig werden und deshalb auf die großen Größen zurückgreifen), nämlich dass viele Dinge einfach langweilig und schlicht sind und/oder übergroß geschnitten, sodass ja kein Fettpölsterchen zu sehen ist. Daher näht sie bereits seit einigen Jahren Hosen, Kleider, Blusen und Jacken selbst. Außerdem strickt sie sich sehr schöne Pullover und Kleider.

Ob etwas Haut, der eine oder andere BH-Träger oder ihre Beine zu sehen sind, war für sie nie ein ausschlaggebender Grund, derartige Kleidung zu meiden. Warum auch? Solange man nicht bei gewissen Anlässen, zu denen man speziell angezogen sein muss, unpassende Mode wählt, bleibt es doch jedem selbst überlassen, wie jeder seine Sachen aussucht.

Noch schlimmer finde ich das Argument mit dem Alter. Nicht nur, dass meine Mutter eine Übergröße trägt, sie gehört auch zu der Zielgruppe „50+“. Auch das hat sie nie daran gehindert, weiterhin ihren Stil auszuleben. Im Artikel jedoch wird eine Frau dieses Typs so dargestellt, als wären ihre Möglichkeiten stark eingeschränkt und als bestünden gewisse Richtlinien, die eine Frau jenseits der 50 einzuhalten habe. Das finde ich weder fair noch richtig. Warum verliert eine Frau ab einem gewissen Alter das Recht, bestimmte Sachen zu tragen, obwohl sie sich darin gut fühlt? Warum muss jede Frau über 50 eher mit „Intelligenz“ punkten oder eine „luftig, weiße Bluse“ tragen, wenn sie doch knallige Farben bevorzugt? Soll eine Frau bei 30°C im Schatten mit formender Unterwäsche bekleidet sein, nur damit niemand Speckröllchen sieht? (Ich sage nichts gegen formende Wäsche, natürlich nicht! Wenn sich jemand darin gut und sexy fühlt, warum sollte er sie dann auch nicht tragen?) Und warum besteht die Notwendigkeit, die Anzeichen des Alterns (hier am Beispiel „Schenkel“ dargestellt) zu verbergen? Sie gehören zum Leben dazu, ebenso wie Falten und graue oder weiße Haare. Keines dieser Dinge verlangt danach, versteckt zu werden. Ganz im Gegenteil: Eine Frau sollte doch weiterhin die Möglichkeit haben, sich treu zu bleiben! Sei das jetzt dadurch, dass eine Frau enge oder kurze Sachen anzieht oder vielleicht sogar ihre Rundungen zeigt. In welchem Jahrhundert leben wir?

Doch das letzte Zitat hat bei mir das Fass letztendlich zum Überlaufen gebracht: „Ich mag Frauen, die sich akzeptieren, wie sie sind – und daraus das Beste machen. Das tun wir ja auch in anderen Bereichen unseres Lebens.“ Dieses Pseudo-„Wir sind alle toll, wie wir sind“ kann ich nicht mehr hören. Oft läuft ebendiese Einstellung nur darauf hinaus, dass die Person andere akzeptiert, solange sie ihren Werten entsprechen. Frauen sollen sich akzeptieren – nichts lieber als das! Aber gehören dann nicht auch „alternde Schenkel“ oder „reifere Frauenkörper“ dazu? Wieso soll man sie verdecken, wenn man ebendiese Eigenschaften akzeptiert oder gar an sich liebt?

Und das Beste daraus machen? Wie genau das Beste definiert ist, bleibt jeder Frau selbst überlassen. Und wenn sich diese Frau dazu entscheidet, mit Größe 46 ein enges Kleid ohne formende Unterwäsche zu tragen oder es wagt, mit nackten Oberarmen das Haus zu verlassen, da sie es für richtig hält – inwiefern ist das dann nicht das Beste für sie?

Derartige Artikel machen mich zugleich sowohl wütend als auch traurig. Zwar bin ich nicht unbedingt eine Vertreterin der Zielgruppe (20 Jahre alt, meist Kleidergröße 38), doch finde ich es einfach respektlos älteren Frauen gegenüber, die so das Gefühl bekommen, mit ihrem Körper nicht mehr zu genügen. Das sind ältere Frauen, die als erfolgreiche Frauen, Mütter, Tanten, Großmütter usw. Vorbilder sind. Alles Frauen, die vermutlich oft genug vor dem Spiegel stehen und an sich herummeckern. Und alles Frauen, die nicht mehr in eine Ecke gedrängt und mit einem Kartoffelsack versehen werden wollen, nur damit niemand merkt, dass auch ihre Körper altern oder sich einfach im Laufe der Zeit verändern.

Was sagst Du zu solchen Artikeln? Ich weiß, Du bist selbst noch sehr jung und gehörst nicht in diese Zielgruppe, aber dennoch kennst Du bestimmt Frauen, die dazugehören. Wie gehen sie mit dem Druck der Gesellschaft um? Fügen sie sich den Vorschriften und Zwängen oder brechen sie aus? Und würdest Du jemals Deinen eigenen Stil aufgeben, nur weil dein Körper Anzeichen des Alterns aufweist?

Hab’ einen schönen Abend, Lu! Bleib’ wie du bist!

Liebe Grüße,

Deine Kathi :)

PS: Ich hab’ Deinen Blog vor vier Jahren zufällig entdeckt und bin seither eine mehr oder weniger stille Leserin. Mit Deinem Blog bin ich erwachsen geworden und Du hast mir auf dem schwierigen Weg, mit meinem Körper endlich zufrieden zu sein, entscheidend geholfen. Danke dir dafür! <3”

• “You can do better – but you don’t have to!” | An open letter •

• “You can do better – but you don’t have to!” | An open letter •

Liebe Alessandra,

dein Blogpost über mich regt mich sehr auf und ich finde die Idee für deine Kolumne wirklich überhaupt nicht gut.
Nicht, weil du → mein Outfit nicht magst – das ist eben Geschmackssache und niemand muss meine Looks mögen.
Es ist, weil du ganz einfach die Message, die ich meinen Lesern immer wieder mit auf den Weg gebe – tragt, was immer ihr wollt, wann immer ihr wollt! – und die sie verstehen und ausleben sollen, mit drei kleinen Worten zerstört hast: not at all.

Es gibt immer andere Möglichkeiten, ein Outfit zu tragen, bessere und auch welche, die einen schlechter aussehen lassen. Man kann es immer “besser machen”, wenn es nach anderen geht. Deshalb zeigen Blogger gerne ihre Looks – um die Leser zu inspirieren. Um sie zu ermutigen, Neues auszuprobieren, Spaß an der Mode zu haben, zu ignorieren, was andere über einen denken, und einfach frei zu sein.

Lu-zhiet-an-coulotte-modificato

Aber jemandes Foto zu nehmen OHNE ZU FRAGEN, es zu verändern OHNE ZU FRAGEN und naja, grob gesagt zu schreiben, dass mein Outfit so scheiße ist (auch wenn du nettere Worte verwendet hast – aber wir erinnern uns an das “not at all” in der Überschrift), ist nicht okay. Und es ist auch dann nicht okay, wenn du mein Gesicht verdeckst. Und übrigens: ich sähe auf dem linken Bild, meinem Original-Look, sicherlich nicht unglücklich aus, aber sehr unzufrieden auf deiner Version davon. Erwarte nicht, dass die Leute sich über deinen ungebetenen Styling-“Ratschlag” freuen!

[Hier noch ein Tipp: FRAG’ DIE LEUTE, BEVOR DU SIE RUNTERMACHST, ob sie ein Teil deiner Posts sein wollen, denn nicht alle werden so reagieren wie ich, nicht jeder wird deine Posts als “Ratschlag” empfinden, manche werden sich angegriffen fühlen und deine Posts könnten ihr Selbstvertrauen zerstören!
Außerdem gibt es da noch etwas namens COPYRIGHT, also solltest du vorher sicher sein, dass du die Bilder verwenden darfst (das Gesicht verdecken ist keine Ausrede!), denn nicht jeder wird wie ich reagieren und schreiben, warum deine Posts so fürchterlich falsch sind – manche könnten von ihrem Recht Gebrauch machen und einen Anwalt einschalten, da du ihre Bilder für etwas gestohlen hast, das definitiv nicht in Ordnung ist!]

Lass mich außerdem erklären, dass deine Idee für meinen Look vielleicht eine bessere Version davon sein könnte, wenn man Photoshop benutzt und damit die Kleidung anpasst, damit mein Körper aussieht, als hätte er eine bestimmte Form, aber:
Im echten Leben, mit dieser Art Hose, sähen meine kurzen Beine wie die eines Elefanten aus, weil meine Hüften und der Hintern eine Größe 48 brauchen, während meine Unterschenkel eher schmal sind. Hosen wie diese sind nicht so geschnitten wie auf deinem veränderten Bild – kein engerer Kniebereich und keine Form für meine Beine. Außerdem ist mein Oberkörper eine durchschnittliche 42/44, also wäre der Unterschied viel zu groß und alles würde sehr unförmig aussehen.
Eine lange Jacke versteckt immer meine schmale Taille, die eigentlich betont werden sollte, und vor allem Blazer, die länger sind (oder sagen wir mal jede Jacke, die länger ist als ein Bolero), funktionieren bei mir einfach nicht wegen der genannten Probleme (es gibt keinen Blazer oder Ähnliches, der obenrum eine 42 und um die Hüften eine 48 ist).

Insgesamt würde deine Idee einer besseren Version meines Looks meinen 1,60m-Körper sehr viel dicker und ungeformter aussehen lassen (was ja eigentlich kein Problem ist – bei Mode geht es nicht nur darum, dünner auszusehen! – aber du hast ja über vorteilhaft geschrieben), mit einem klitzekleinen Kopf oben drauf – nicht mal ein sehr breitkrempiger Hut würde da irgendwie Symmetrie reinbringen.

Aber ernsthaft: ich bevorzuge wirklich meine Kreativität, meine Einzigartigkeit und meinen Willen, das zu machen und zu tragen, was ich will, auch wenn es nicht immer vorteilhaft ist, weil ich es so mag und mich darin gut fühle, anstatt mich von Fremden “optimieren” zu lassen, nur damit sie zufriedener damit sind, wie ich aussehe oder für sie aussehen sollte.

Ich hab’ mir auch die anderen beiden Posts deiner → “You can do better”-Kolumne angeschaut und bin wirklich traurig und auch erzürnt über deine Wortwahl. Bitte hör auf, Worte wie “Defekt” zu verwenden, wenn du andere beschreibst! Oder besser: hör überhaupt auf, andere zu beschreiben! Hör auf, über Mode-“Gesetze” zu schreiben! Und hör auf zu denken, dass deine “Optimierungen” Verbesserungen für die Outfits der Blogger sind! Du beleidigst schlicht und einfach die anderen Blogger! Und es macht mich wirklich wahnsinnig wütend, dass es immer die dicken Frauen selbst sind, die andere dicke Frauen runtermachen. Was du hier machst, ist komplett falsch! Vor allem weil niemand – nicht ich, mit Sicherheit auch nicht Tanesha, und vermutlich auch nicht das letzte Mädchen, deren Bild du sogar ganz ohne Verlinkung zu ihrem Blog benutzt hast – dich darum gebeten hat!

Ich will außerdem wiederholen, vor allem für meine Leser: wenn du dein Outfit liebst und dich toll darin fühlst – rock’ es! Du musst nichts kaschieren und niemand anderem als dir gefallen – nur dir.

Und zu guter Letzt nur für dich, Alessandra: sag niemals jemandem, was er “not at all” tragen darf. Lass’ das einfach.